So kurz vor Weihnachten habe ich ihm nur kräftig in den Arsch getreten.

Denn ein Arschtritt hätte ihn auf die Strasse befördert.

Ich habe ihm auch nicht tatsächlich in den Arsch getreten, sondern in aller Frühe am
Kragen gepackt
und zum Jobcenter geschleift.
Was mir übrigens gestern eine freundliche Frau B. von der Hotline des
Jobcenter in diesem speziellen Fall empfohlen hatte.
Sie könne mir nicht sagen, wie es jobtechnisch und unterstützungsmäßig mit
meinem Mieter bestellt sei. Datenschutz und so.
Ich las aus ihren Andeutungen allerdings heraus, daß er sich der Wahrheit nicht
so sehr arg verpflichtet fühlt, unser Sorgenmieter Bolle (Name geändert) aus Berlin.

Im Frühjahr kam Nachbar Günther X. und fragte, ob ich die komplett möblierte
Wohnung , die bis November letzten Jahres von zwei Maschinenbaustudenten
regelrecht verschmutzwohnt
wurde wohl wieder vermieten würde. Er kenne
da einen, der dringend wegen familiärer Probleme eine Wohnung brauche.
Getrennt, zwei kleine Kinder, arbeitslos, netter Kerl.
(Wollten wir eigentlich nicht, aber in einem bedürftigen Fall ?)

OK. Die Miete und die Nebenkosten würden von der ARGE übernommen.
Dort nachgefragt. Stimmte. Also helfen wir mal wenn wir können.

Bis darauf, daß er mit der Kaution nicht rüberkam die wir ihm letztendlich
erließen, weil : woher nehmen und nicht stehlen.
Und daß er das gesamte Heizmaterial verfeuerte ohne es zu bezahlen wie im
Mietvertrag festgeschrieben, alles in Ordnung.
Netter Kerl eben. Ausflüchte über Ausflüchte.
Als die Miete samt Nebenkosten für Oktober ausblieb, versicherte er, daß
alles in die Wege geleitet sei. Im Oktober.
Novenbermiete? Kam auch nicht. Ernstes Gespräch geführt.
Dooooch, alles kommt mit der Dezembermiete, alles paletti.
Alle (Folge-) Anträge habe er gestellt, und erst vorgestern,
Vor…ges…tern hat ihn das Amt angerufen, daß die Zahlungen
unterwegs seien.

Nun kontrolliere ich keine erwachsenen Menschen so sehr gerne.
Auskunft ist ja eh’ nicht zu erlangen. Und das ist auch gut so.
Da ich mit jungen (30 +) Leuten schon einige Erfahrungen habe, rief
ich gestern doch einmal beim Amt an.
Ergebnis siehe oben.
“Raus aus dem Bett, Nachtruhe beenden, ich schleif Sie jetzt zu dem
Sachbearbeiter, der Sie angerufen hat.” (07.00 Uhr)

Die Fahrt im offenen Cabrio dauerte keine 20 Minuten. Gute Sache in
diesem Falle, weil niemand erkennen kann ob Tränen geweint oder gefahrtwindet sind.

20 Minuten in denen er nicht nur sein Herz ausschüttete sondern auch
Geständnisse ablegte. Geständnisse einer jungen verstolperten
Existenz. Führerschein das 2. mal weg, Job verloren aus Gründen die ich hier nicht
aufführe, einwöchige Probearbeit bei einer großen Handelskette mit noch nicht
bekanntem Ergebnis absolviert, Unterstützungszahlungen zum Lebensunterhalt
sind sanktioniert (um 90%).
Der nette Kerl hat durch die Trennung von Weib und Kind den Boden unter den Füßen
verloren. So sehr in Schieflage ist die Bewältigung seines 32 jährigen Lebens, daß er auf
die Frage, warum er mich ständig belogen und hingehalten habe, nur antwortete:
“Ich weiß nicht wie ich da wieder rauskomme. Ich weiß es nicht”.
Ich wußte es. Deshalb saßen wir ja in meinem Auto.

Auf dem Amt alle Anträge, Folgeanträge und Änderungsanträge ausgefüllt.

Ab 5. Dezember 2007 ist der nette Kerl wieder auf der sicheren Seite, was das Wohnen
angeht. Wie er mit dem wenigen Geld auskommt, das ihm von Hartz IV bleibt, werden
wir mal sehen. Sein Sohnemann bekommt ohnehin von unserem Mittagstisch, wenn
er Papa besucht.

Er hat jetzt Arbeit ohne Ende. Bei mir im Garten und ums Haus herum.
838.– Euronen wollen abgearbeitet sein. Vertraglich vereinbart.
Vor den Amtsherren schlug ich den Lohn einer Frisörin in den Ostländern vor.
€ 5.– ? — wurde begeistert auf-/angenommen.

Frohe s Umgraben, Büsche schneiden, Laubfegen, Kehrwoche erledigen Weihnachten, Herr Bolle.

Update: Arbeitsfoto vom 7.12.07 eingefügt