Die 19 Sep 2006
Wenn ich einen Fluß durchqueren will, muß ich, um auf gleicher Höhe
drüben anzukommen, gegen den Strom schwimmen.
Sonst werde ich abgetrieben und lande dort, wo all’ jene landen die sich
mitreißen lassen. Nämlich hier, hier, hier, hier und hier.
Das gilt in Kleinbloggersdorf, wie überall.
Sobald eine Sau gesichtet wird, beteiligen sich die Kleinbloggersdörfler
an der Treibjagd. Als müßten sie Triebe abreagieren.
Solch eine Sternchenstunde gönnen sich zur Zeit fast alle von mir
regelmäßig gelesenen blogs.
Dann schwimme ich mal gegen diesen Strom.
Rainersacht gab im Januar seinem Unmut Ausdruck, weil er sich von
der Media Markt Werbung belästigt fühlte.
Das tat er unter Verwendung wenig freundlicher Formulierungen.
Formulierungen, die wohl keiner der jetzt fürchterlich Erregten
aufmerksam hat lesen können.
Denn natürlich waren die Formulierungen derart angreifbar, daß rainersacht sie
nach der Abmahnung durch den Media Markt Anwalt Joachim N. Steinhöfel
aus dem Januar - Text entfernte und sie durch Sternchen ersetzte.
Sonst hätte er sie stehen lassen.
Auch RA Steinhöfel, als sich persönlich verunglimpft Fühlender, mahnte die ihn
betreffenden Formulierungen ab.
Auch diese wurden von rainersacht versternt.
So weit wohl die Fakten, wie ich sie nachgelesen habe.
Daß die Kosten derartiger Abmahnungen in der Regel dem Verursacher angelastet
werden, darf als bekannt vorausgesetzt werden.
Die Höhe der Kosten mag diskutierbar sein und wurde zwischen Kanzlei Steinhöfel
und rainersacht schon quasi herunter- verhandelt.
Daß anschließend eine Neubewertung durch RA Steinhövel eintrat ist wohl dem
Umstand zuzuschreiben, daß er als Verhandlungsgegner nicht mit sich spielen läßt.
Dem Abmahnenden vorzuwerfen, er habe erst nach mehreren Monaten reagiert,
käme dem Umstand gleich, einen Wohnungseinbruch nach Rückkehr aus dem Urlaub
nicht anzeigen zu dürfen, weil dieser ja schon so lange zurück liegt.
Also bitte auf dem Teppich bleiben.
Eine Person als z.B.: Arschloch zu bezeichnen, nur weil diese sich in einem völlig
anderen Zusammenhang vor langer Frist selbst so tituliert hat, berechtigt nicht zu
dieser Beleidigung.
RA Steinhöfel mag ja für manche eine Reizfigur sein.
Aber reicht das aus, ihn öffentlich als einen Brocken dessen zu bezeichnen, was einem nach Unwohlsein vom Parkett entgegenstinkt?
Ein klares Nein.
In Kleinbloggersdorf gibt es weder Media Markt noch Saturn. Also warum dort
hingehen, wenn das Geschäftsgebaren einen nicht anspricht?
Rainersacht hat über die Stränge formuliert, also trage er mit breiten Schultern die Folgen.
Alles andere scheint erbärmlich.
PS.:
Ich habe vor 20 Jahren (Link am 8.11.06 entfernt)nicht das erste und nicht das letzte Mal bezahlt, obwohl ich mich nicht schuldig fühlte.
Das war des Bullen Risiko.
Ein Risiko das sich beim Bloggen minimieren läßt.
September 19th, 2006 at 3:24 pm
nichts anderes als die scheisse auf seinen eigenen schultern zu tragen wird rainer tun. niemand nimmt ihm irgendeine last ab, niemand steht für ihn vor gericht gerade. und, ich glaube mich zu erinnern, dass er das von anfang an explizit in kauf genommen hat.
das ist das eine. eine andere frage ist: hat er recht, darf er das, jemanden arschloch nennen, sich aufregen? keine ahnung, ich finde schon, aber auf mich hört ja keiner. aber wäre es ok zu sagen steinhöfel sei eine wurst oder eine kartoffel? ein polnischer premierminister fordert für sowas die auslieferung und inhaftierung von demjenigen der das geschrieben hat. das mit dem beleidigen und sich beleidigt fühlen ist immer ziemlich relativ. nicht relativ und vor allem nicht fair ist jemanden vor gericht zu zerren oder mit selbst festgelegten streitwerten einzuschüchtern. und genau deshalb hat die geschichte meine aufmerksamkeitsschwelle übertreten: was steinhöfel tut ist rechtens, aber nicht fair. mag sein das rainer selbst mit schuld war, es drauf angelegt hat, mag sein dass du als bulle was falsch gemacht hast, aber muss man einem deshalb die solidarität entziehen? was ist wenn morgen einer kommt und jemanden wegen der benutzung des wortes „kartoffel“ abmahnt und dafür 3000 euro berechnet? selbst schuld wer über angeblich gefärbte haare von spitzenpolitikern schreibt? selbst schuld wer auf ne demo geht und verprügelt wird? eigenes risiko und dehalb von mitgefühl und solidarität ausgeschlossen?
September 19th, 2006 at 4:02 pm
@ix,
Es war bei mir tatsächlich Notwehr.
Das geringste Mittel: eine Maulschelle der heftigen Art.
Der Herr Leitende Oberstaatsanwalt Ju*g argumentierte:
Eine Ohrfeige ist eine entehrende Handlung für den Verletzten.
Eine Verteidigungssaktion wie Boxhieb und / oder Karatehieb
wäre zu akzeptieren gewesen.
Ich nahm kurz vor der öffentlichenVerhandlung meinen
Einspruch zurück, weil ohne Chancen bei der damaligen
politischen Lage.
(Der arme Verletzte war übrigens eine bekannte Altstadtratte
die für ihre Kopfstöße a’la Zidane bekannt war.
Man kennt sich halt.)
Es passte allerdings in die politische Landschaft nach den
damals gerade gelaufenen Ereignissen in Wackersdorf.
Dennoch
die Künstlerkartehabe ich die3600.– gezahlt. Scheiße gebaut, einstehen dafür.
Mir wäre nie in den Sinn gekommen, meine Leute , die auch “fehlgehandelt haben sollen”
an den Kosten zu beteiligen. Und wir waren eine eingeschworenere
Gemeinschaft als alle Blogger zusammen.
Mein obiger Erguss soll mich auch nicht davon abhalten
unterstützend 50 Euronen zu überweisen, wenn die auf
reinersacht entfallenen Kosten feststehen.
Ich bitte, nicht daran zu zweifeln.
Was nutzt eine nicht eingehaltene Zusage auf seiner Seite?
Allerdings wünsche ich mir als rel. neuer Blogger mehr
Zurückhaltung bei persönlichen Angriffen gegen Jedermann.
Auch wenn es sich im vermeintlich rechtsfreien Raum um einen
KotzbrockenAnwalt oder seinen Mandanten handelt.September 19th, 2006 at 10:31 pm
Lieber Jo,
beim “Sautreiben” habe ich mich immer erfolgreich rausgehalten - bislang waren die “Säue” ja auch immer Blogger. Anders diesmal.
Die Art und Weise wie hier vorgegangen wurde widerstrebt meiner Weltanschauung jedoch so sehr, dass ich wirklich nicht anders konnte.
Es gibt wenig Armseligeres als sich überlegen zu wissen und die Rechts-Keule rauszuholen, wenn da mal Einer anfängt zu stänkern. Gut, “Arschloch” ist unschön, aber so betitelt JS sich auf seiner Heimseite doch selbst. Sollte man da nicht cooler sein? Ich hielt ihn für cool. Trugschluss.
Dann die Sache mit dem Ego und der Patte:
JS ist eine aufmerksamkeitssüchtige Rampensau wie ich, nur in unsympathisch, da wenig Selbstironie. Schau Die mal seine Page an, da war schon lange nichts mehr los. Wie ich schon schrieb - JETZT ist er wieder im Gespräch; letztlich auf Kosten des MediaMarktes. Sollte man so einen maximal-Arroganten nicht einmal ein wenig in seine Schranken weisen? Ich wurde auch schon oft gewiesen - mir tat’s immer gut.
Das für mich Ausschlaggebende: Er kassiert einmal im Namen vom MediaMarkt UND in der gleichen Angelegenheit noch einmal für sich. Mit selbst festgesetztem Streitwert (auch wenn dieser nach Rücksprache mit MM plötzlich reduziert wird). Wenn für den MediaMarkt okay ist, dass die Hausanwälte doppelt kassieren - gut. Aber auch das sollte man die Öffentlichkeit wissen lassen.
Mal kurz 2 Abmahnungen diktieren und x.000€ kassieren - doch bitte nicht hier! Hier hat man das Netzwerk und die Möglichkeit, den Verantwortlichen mal einen Spiegel vors Gesicht zu halten.
Außerdem sollte man als Blogger doch das Blogdings immer “elevated keepen”, wie wir Rapper sagen - und dazu gehört auch die Solidarität, wenn man 100% dahinter stehen kann.
[Deine gescannten Auszüge haben mich trotzdem sehr amüsiert! :) habe da auch noch so einiges in meiner Schublade. Aber die bleibt zu!]
September 20th, 2006 at 9:06 am
Hi MC,
ein wenig Agent Provocateur zu sein kann reizvoll sein. Hier bin ich’s aber garnicht.
Die bösen ****** von denen zur Zeit niemand weiß, was sie einmal bedeuteten sind sicher nicht nur abmahnfähig sondern auch als Beleidigungen justiziabel.
Ich würde mich nicht wundern, wenn JNS Strafantrag gestellt hat oder noch stellt.
In Kleinbloggersdorf wird oft am Kern vorbei in die Kerbe gehauen.
Auch ein böser Bube kann das Recht auf seiner Seite haben. Und wenn er es durchzusetzen weiß, ist ihm das nicht vor zu werfen.
Der komplette Januar - Artikel von reinersacht gibt nun überhaupt nicht meine Meinung wieder.
Er ist doch Journalist. Oder?
Er hat (trotzdem) leichtsinnig ins Klo gegriffen und ist erschüttert, daß sich der/die Angegriffene wehrt.
Unabhängig davon, aber das schrieb ich schon, bin ich bereit überzogene Kosten mit abzudecken.
Aber nicht schon im Vorgriff.
- Der Fall Mario war nicht so vorwerfbar verwerflich wie öffentlich kund getane Beleidigungen. Darum Spendenwürdiger.-
Ich sach ja, ein wenig gegen den Strom gibt auch starke Arme.
Ach ja, solche Scans sind auch eine Erinnerung an 43 Jahre Kopf hinhalten
und Fäuste schwingen. Ich hab’ auch noch mehr davon.
März 2nd, 2009 at 10:23 am
Also ich finde ja persönlich, dadurch, dass man immer wieder darüber schreibt, bloggt, diskutiert oder sonstwas veranstaltet misst man dem ganzen viel zu viel Bedeutung bei. Im Endeffekt war das doch auch nur eine Klage wie viele andere auch. Inwieweit das berechtigt ist mag jeder für sich beurteilen und meinetwegen auch mal irgendwo seine meinung äußern, aber dann reciht’s doch auch. Dass Konzerne wie Media Markt keine Engel sind, wissen wir ja alle, sie werden aber nciht weniger schlecht, nur weil sich alle Welt darüber aufregt.
März 2nd, 2009 at 11:13 am
2 1/2 Jahre sind für’s Netz eine halbe Ewigkeit.