Sam 18 Jul 2009
Wie ein Gockel sich für anspruchsvolle Diskussionen disqualifiziert.
Dieses Blog glänzte noch nie durch gesellschaftskritische Beiträge. Kritisieren liegt allerdings in der Natur von Blogs. Nicht nur, aber auch. Warum bloggen Blogger so gern Kritik?
Weil sie mit den Gegebenheiten unzufrieden sind. Weil sie sich zunehmend übervorteilt fühlen. Belogen und über den Tisch gezogen. Ob von Volksvertretern oder von der sogenannten Leistungsgesellschaft.
Bloglose Mitmenschen stehen am Gartenzaun und schimpfen, oder beim Bäcker, oder am Stammtisch. Sie äußern Unmut im mehr oder weniger kleinen Kreis.
Solch ein Blog allerdings bietet die Möglichkeit, seinen Groll einer Vielheit von Menschen mitzuteilen.
Genau deshalb, auch wenn ich des geschriebenen Wortes nicht so mächtig bin wie von mir bewunderte andere Blogger, bringe ich das mich Wurmende hier zu Papier per Tastatur als Text ins Internet.
Ich darf das. Ich habe das entsprechende Alter.
Die tägliche Werbeflut in meiner Tageszeitung, auf mittlerweile fast allen Fernsehkanälen, an Strassenrändern, Hausfassaden und Radiosendungen, ja sogar auf Oberbekleidung.
Mich, verzeihen Sie, kotzt ödet das an.
Der morgendlichen aufgesetzten Gutgelauntheit der Radiotante beim Verlesen irgendwelcher Nebensächlichkeiten kann ich unter der Dusche nicht entfleuchen, weil ich die Nachrichten nicht versäumen möchte. OK, ich könnte eine CD einlegen, aber dann würde ich nicht erfahren, was sich im Nachbarkaff Grausliges zugetragen hat.
Nun tauchte jüngst eine Langzeitwerbung von Vodafone auf.
Überschäumend fröhliche Menschen versuchen mich mitzureissen in ihrem Taumel von Grandiosität beim Bewältigen extrem schwieriger Unterfangen.
Luftgitarre spielende Spacken, ein Fallschirmsprunglehrer, der zum Helden erklärt wird, weil er seinen Beruf ausübt oder eine Frau mit einem eingekauften* Baby, das diesem unschuldigen Wesen blödes Zeug vorsingt.

Und natürlich Sascha Lobo, in einem öffentlichen Verkehrsmittel sitzend und mit spitzem Finger auf ein schnurloses Telefon einpieksend.
Sascha Lobo, der bekannteste (?) Blogger Deutschlands, der Internetpionier(?), der Schriftsteller, der Werber, der Mann mit den vielen Berufen.
Sascha Lobo der Werbestar.
Keiner kann diesem Menschen mehr entkommen bei seiner Tätigkeit sich zunächst einmal selbst zu vermarkten und durch wachsende Bekanntheit seinen Wert nach Euronen zu steigern.
Wäre da nicht dieser rote Gockelkamm auf seinem Kopf, er hätte ein unrasiertes, übernächtigtes verquollenes Dutzendgesicht.
Niemand würde ihn wiedererkennen, auch nicht Jene, die ihn zu kennen vorgeben.
Und diesen Gockelkamm-Lobo macht Vodafone zum Testimonial um die Glaubwürdigkeit seines Produktes zu dokumentieren.
Die roten Stehhaare stehen nicht mehr nur für Sascha Lobo allein, sondern auch
für das Produkt, mit dem Vodafone neue Kunden keilen will.
Sascha Lobo bewirbt die Marke Vodafone. Er sei ja schliesslich Werber, sagt er.
Immer und immer wieder zwischen Spielfilmen, Sportsendungen und Allerweltsfirlefanz (eines meiner Lieblingswörter) taucht dieses Werbegesicht auf.
Können Sie sich, verehrter Leser, vorstellen, dass Andrea Kiewel mit einer Weight Watchers Mütze in Talkschows auftritt?
Oder Markus Majowski mit einer Bruzzler Wurst hinter dem Ohr, Jürgen Schrempp mit einem sich drehenden Mercedes-Stern auf dem Kopf, Klaus Uhse (Flensburg) mit einem Noppenkondom über dem Gesicht?
Nein?
Genau deswegen werden die Personen in einem solchem Outfit auch nicht zugelassen.
Sascha Lobo wurde schon mehrmals als bunter Vogel in Talkschows eingeladen.
Er wird sich daran gewöhnen müssen, dass er sich entweder die Rübe rasiert oder seinem Gockel ein anderes Aussehen gibt, solange er für Vodafone Reklame läuft.
Da die Scholzens und Friends, die Entwickler der Campagne, sicher solche Multiplikatoren-Auftritte in ihr Kalkül einbezogen haben, gehört denen eine heftige Klatsche. Allein schon für diesen Schreihals der im Stile eines Einpeitschers auf seine Gläubigen einbrüllt.
Übrigens:
Sascha Lobo und die anderen Kleindarsteller kennt
ausserhalb von Kleinbloggersdorf eh’ keine Sau.
Das Wetter ist so schlecht wie die Werbung,
Hochsommer. 12° am 18. Juni, Regen.
Da schreibt man schon mal sowas.
* über eine Castingagentur besorgt, weil das eigene Kind noch zu klein ist.
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Juli 18th, 2009 at 7:20 pm
… Das wohl treffendste Statement zu dem ganzen Geschreibse über Yodafone, Lobo, schlechte Werbung und Zensur der letzten Tage. …
Juli 18th, 2009 at 8:08 pm
Hi StoiBär, Schnutingers Bub ist zu jung für Filmaufnahmen. (Gesetz steht davor)
Juli 18th, 2009 at 9:15 pm
Hatte vor langer Zeit so meine Erlebnisse mit dieser Firma, aber heisst die nun Vodafone oder Idiotafone? Und wenn ja, wer ist der Idiot, etwa der Kunde?
Juli 18th, 2009 at 9:55 pm
Ja, Gerd.
Verarsche auf der ganzen Linie. Folge mal dem Link oben,wo Felix vorrechnet wie die Unternehmensphilosophie sich in Euronen auswirkt.
Mein chinesischen Mädels waren 2 Jahre in den Fängen von Arcor (immer schon im Griff von und jetzt offiziell Vodafone).
Mit der Rückkehr nach Peking hatte sich das Problem gelöst.
Das ist die Firma, wo davon kann die ZensUrsula garnicht genug bekommen.
August 12th, 2009 at 8:52 am
http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/ratgeber/warum_sind_sie_gegen_internet-zensur__sascha_lobo_/134743.php