Ein denkwürdiger Tag.
Mitnichten.
Ich hatte damals gerade 14 Tage einer vierwöchigen Kur
zur Erhaltung der Arbeitskraft hinter mir.
Meinen Kurschatten hatte ich durch vollen Einsatzdavon überzeugt,
daß ich der einzige war, der nicht zum Auskurieren von Rückenschäden
oder Gebärmuttervorfall mein Einzelzimmer mit Balkon bewohnte.
Herrliche voll bezahlte 4 Wochen Urlaub in einem First Class Kurhotel
Mit 25 Meter Bahn in der Schwimmhalle, Sauna, Sporthalle, Töpferkurs
und allem was den Magen freundlich stimmt.
Sport ohne Ende getrieben und gleich am zweiten Tag die freie Auswahl
unter denen gehabt, die mit feuchten Höschen die Lobby bevölkerten.
Alles, was sich sonst beschwanz dort rumtrieb hatte heftigst das Leiden
im Gesicht das sie hier her getrieben hatte.
Ich hab’ s, weil kerngesund, leicht übertrieben und das kostet mich jetzt
noch einige Ocken an meine Ex, Monat für Monat.
Das war sowieso irgendwie absehbar damals.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Übertrieben habe ich sowohl die Sportelei im Einzelzimmer als auch
in der Halle.
Am Dienstag dem 2. Oktober 1990 Frühsport auf Schwingboden.
Seilspringen. Nicht Seilhüpfen sondern so wie am Boxring üblich.
Bis das Wasser im Arsch kocht. Immer wieder Doppelschwung und
Arme kreuzen.
Hepp hepp hepp ffftt ffft ffftffft ffft ffft das Seil war so schnell, daß
ein Beobachter von der Seite nur einen flirrenden Kreis sah.
Fffftffft Zack.
Das Seil schlug mir gegen den Spann.
Ich kam nicht mehr hoch mit den Füßen.
Kein Hüpf, kein Nix..
Die linke Achillessehne hatte sich verabschiedet.
Es machte einfach nur Zack. Kein Schmerz, kein Irgendwas.
Einfach nur Zack.
Ich kannte das Gefühl von 1988 als ich mir beim Badminton die rechte
Sehne abriß.
Ich humpelte also zum Chefarzt, der bedauernd den Kopf schüttelte,
dabei betrachtete er eigentlich nur meine Kurschattin, die tränenüberströmt
meinen Schwanz meine Hand hielt.
OK. Die Kur war beendet, die Kurschattenpopperei erst 4 Jahre später.
Auch das ist eine andere Geschichte.
Mit meinem privaten PKW noch am Nachmittag nach Leonberg
fahren lassen und bei Prof. Dr. Dr. Lechner eingecheckt.
OP- Termin am nächsten Vormittag.
Wieder Einzelzimmer mit Frühstück ans Bett.
Die ausgefransten Sehnen- Enden wurden fabelhaft miteinander
verbunden.
Was übrigens Willy Brandt zu dem denkwürdigen Satz inspirierte:
“Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört”.
Und deshalb wurde der 3. Oktober zum Tag der Einheit.
Und nicht, weil Beutedeutsche sich plötzlich unsere Rentenkassen leerten.
Denn das würde doch niemand feiern.