Warmbronn


Wenn die Augen schmerzen, einfach mal ins Grüne gucken.
Das war schon unseren Großeltern bekannt.
Obwohl, woher hatten die eigentlich Augenschmerzen?
Die kannten doch gar keine Monitore und kein Fernsehen in dem
seltsame Menschen in Großaufnahme gezeigt wurden.

Ich gucke denn doch mal hin und wieder ins Grüne und pflücke
ein paar Stangenbohnen.

Und sehe die Bohnen vor lauter Blättergrün nicht.

Die vier Goldfischli, die den letztjährigen Reiherangriff überlebten, haben es besser. Ihr noch kleinwüchsiger Nachwuchs auch.

Die schwimmen über grünem Teppich in sauberem Nass.

Sauberes Nass, das ich dem Himmel entreisse

und in Fässer umleite.

In diesem Sinne: Immer schön ins Grüne gucken.
Zur Not hilft auch, sich Petersilie auf die Brillengläser zu kleben.

Mein täglicher Weg zum Brötchendistributor und zur Glimmstängelhändlerin führt mich automatisch am Christian-Wagner-Haus vorbei.
Christian Wagner, Heimatdichter und bis jetzt das einzige über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Warmbronner Original.

Ein Original zu sein, kann man nicht lernen. Zum Original wird man per Anerkennung durch seine Mitmenschen, die das Besondere, das Schrullige, das Liebenswerte an einer Person zu schätzen wissen.
Ein Original ist nicht nachzuahmen. Und wenn doch, dann ist es als nachgemacht erkennbar,als Fälschung erkannt.

Schilbäär, wie Gerhard Bauer sich gerne nennen lässt, dichtet auch.
Über Christian Wagner und Warmbronn zum Beispiel mit der gleichen Inbrunst wie einst Christian Wagner selbst, dessen ehemaliges Wohnhaus an das Anwesen der Familie Bauer grenzt.

Mit zu erleben, wie Schilbäär mit ernstem sanftem Druck einem Kunden aus der Nachbarschaft erklärt, dessen Flaschen seien in einem unzulänglich gereinigten Zustand für die Aufnahme des Birnenmostes aus dem Gewölbekeller, ist allein schon ein Erlebnis.
Recht hat er, der als Landschaftspfleger viel zu wenig anerkannte Hüter heimischer Streuobstwiesen.
Er guckt mich fragend an, als der Durstige zurück an die heimischen Flaschenbürsten eilt:Wenn i de Most in dreckerte Flaschen füll und morgen hot der Durchfall, was isch na?”

Seit vielen Jahren räumt Gerhard Bauer bei verschiedenen Mostprämierungen erste Preise ab. Die Urkunden baumelte er dieses Jahr an seinen Leiterwagen und zog diesen zur 100 Jahrfeier des Sportvereins durch den Ort, nicht ohne Probemöstle an die Zuschauer auszuschenken.


-Rolloverbild-

Natürlich habe auch ich wieder einen leckeren Tropfen, 95% Birne mit 5% Quitte abgeräumt. Ganz um en sonschd, i sott bloß hier mal wieder was aufschreiben. Zwecks Reklame und so. Und das habe ich wahrlich gerne gemacht.
Und doch auch ein wenig ungern, denn was ist, wenn nun alle Neu - Warmbronner plötzlich Lust auf Most bekommen?
Dann stehe ich blöd da mit meiner, sogar innen gewaschener, Steingutflasche.

Ein zumindest vorläufiger

Sieg der Vernunft


Mein Glückwunsch gilt Bernd Carle.

Nein, meine lieben Freunde, das ist kein Scherz!

Sie können leicht und locker pro Tag ein ganzes Kilogramm an Körpergewicht verlieren, wenn Sie es oldman gleichtun.
Sie haben Hosen, Hemden und T-Shirt, die letztes Jahr noch angenehm fluffig Ihren Körper umschmeichelten? Sie haben beim Griff in den Kleiderschrank festgestellt, dass die Winterfeuchte alle Klamotten hat eingehen lassen?
Sie bekommen keine Hose (vor allem Jeans) mehr bis zum Gipfelknopf geschlossen?
Sie tragen Ihre Hemden auch als alter Saque über die Hose hängend und erzählen allen, das sei der neueste Trend auch für Rentner?

Schluss damit.
Dr. Jo hat einen Diätvorschlag ausgearbeitet der Ihnen schon nach nur einer Woche Anwendung die Tränen der Freude in die Augen treibt.

Woche 1:

Tag 1:
Schliessen Sie Ihre Jeans mit Gewalt bis zum Ohnmachtsanfall. Lassen Sie Ihr Lieblingshemd locker über den Gürtel fallen oder stopfen Sie sich in einen überlangen Norwegerpullover. Zum Anfangsoutfit gehört natürlich auch eine Bauchtasche, die davon ablenkt, daß das Portemonaie nicht mehr in die Gesäßtasche passt.
Derart ausgerüstet suchen Sie den Lebensmittelhändler Ihres Vertrauens auf. Gehen Sie dort zielstrebig auf das Kühlregal zu und greifen sich marinierte Schweinesteaks in ausreichender Menge. Was auch ganz besonder gut kommt, ist Frutti di Mare aus der Tiefkühlbox. Hierbei achten Sie bitte auf das (unleserliche, erraten Sie es) Verfalldatum. Vertrauen Sie dem beratend zur Seite stehenden Regalauffüller.
Is noch gut“, wird er sagen,”ham wir erst gestern reinbekommen“.
Auf dem Weg zur Kasse greifen Sie sich ein 24er Pack Klopapier der Qualität flauschig weich 6lagig und eine Wärmflasche. Sie werden überrascht sein warum!
An der Kasse bezahlen und dem Herrn Ewe, der mit Vornamen wohl Robert heisst, dem seinen Saftladen verlassen.

Zuhause sofort in die Küche und die schon vor langer Zeit verstorbenen Meerestiere nach Vorschrift auftauen und unter die Spaghetti vom Vortag mischen. Ordentlich in der Pfanne durchbruzzel und abschmecken.
Weil Sie bestenfalls alleine sind (empfohlen), servieren Sie sich das köstliche Gericht.
Geniessen Sie.

Nacht 1:
Das krampfartige Zusammenziehen der Region um Leber, Milz, Magen und Dünndarm ist völlig normal, weil das Kotzen nicht mehr möglich ist, da die Spaghetti schon den Pförtner passiert haben. Kotzen Sie trotzdem. Die grüne Flüssigkeit zeugt von einem hohen Miesmuschelanteil in den Frutti di Mare. Füllen Sie die Wärmflasche mit kochendem Wasser und krümmen Sie sich in Embryohaltung um den Gummisack.
Sie werden sehen, der Schmerz im Bauch lässt nach, verlagert sich auf die Bauchdecke und kann am Tag 2 mit Brandsalbe behandelt werden.
Schon alleine durch die Schweissausbrüche verlieren Sie die ersten zighundert Gramm. Toll.

Tag 2:
.. kann als Fortsetzung von Nacht 1 genutzt werden. Ebenso wie
Nacht 2:
.. und
Tag 3 :
Haben Sie es bemerkt? Erst am dritten Tag hat sich der zerrende Schmerz soooo weit in den Unterleib verzogen, dass jeder niedergelassene Arzt auf einen durchgebrochenen Blinddarm von phänomenaler Grösse tippen würde.
Die Aufnahme von zerdrücktem Zwieback mit Bananen wird wieder möglich. Wenn der Brei nachsehen will wie es draussen aussieht, umarmen Sie die Keramikschüssel und öffnen weit den Mund. “Huualp!”
Nase von fehlgeleiteten Resten befreien.
Nacht 3:
Durchschlafen bis 02.00 Uhr. Dann wieder bis 03.00 Uhr gefolgt von einer Tiefschlafphase bis 05.00 Uhr. Die jeweiligen Wachphasen zu Besuchen der Toilette nutzen, wo Sie ab sofort mit Superflausch 6lagig nur noch tupfend den Ausgang reinigen.
Bis hierhin hat Ihr Körper schon so um die 4 Kilo verloren.
Sehr toll!

Tag 4 bis Tag 6:

Fast kalorienfreie Haferschleimsuppe bleibt inzwischen würgefrei im Magen. Wenn auch nur wenige Löffel, sich langsam steigernd. Schmeckt ja auch nicht wirklich. Ihre Geschmacksknospen waren schließlich auf Spaghetti Frutti di Mare eingestellt.

Tag 7 :

Die reinste Erholung.
Der Flüssigdurchfall hat aufgehört, am Superflausch 6lagig haftet kein abgetupftes Blut mehr, und der Appetit kehrt langsam zurück. Das Frühstück verwöhnt mit weich gekochten Eiern auf Roggentoast.

Tag 8:
Sie nehmen das erste Mal wieder Ihre Jeans vom Haken und rufen umgehend die besten Freunde an.
“Hi, ich wollte nur sagen, dass ich meine Hose wieder zukriege, obwohl ich das T-Shirt reingesteckt habe”!!

Obersupertoll!

Na?
Begeistert?

Woche 2:

Sie nehmen die marinierten Schweinesteaks vom Küchenschrank oder vom Fensterbrett wo sie bei Zimmertemperatur nachreifen konnten.

Weiter wie Woche 1.

Viel Erfolg.

Ach übrigens: eine Muschelvergiftung kann genauso tödliche Folgen haben, wie der Genuß von Leichengift in marinierten Schweinesteaks. Das Überleben kann unterstützt werden durch reichliche Aufnahme von Flüssigkeit. 4 Liter pro Tag mindestens.

Amazon bietet 3 unterschiedlicheVersandmöglichkeiten.
Hätte ich die €6.– für den Ruck-Zuck Versand gewählt, hätte ich mich jetzt geärgert.

Den hier erwähnten Artikel habe ich am Montagnachmittag bestellt.
Vorhin gegen 11.00 Uhr war er da.
Das gleichzeitig bei Conrad Elektronik Bestellte wird zwar erst in
16 Tagen abgebucht, war aber mit gleicher Post an der Haustür.
Tolle Sache.
Ich habe das Gefühl, bei der Gelben Post hat ein Umdenken stattgefunden.
Ich berichtete ja schon einmal über die Post in Warmbronn.
Damals.
Die Zeit bestätigt, daß der gelbe Riese es geschafft hat, sehr zuverlässige
Mitarbeiter zu gewinnen. Sehr freundliche Mitarbeiter, sowohl im “Amt”
als auch an der Haustür.
Das kann sicher auch an der heimischen Erziehung liegen die noch
auf einer Art von Respekt aufbaut, deren Vermittlung den Deutschen Eltern abgeht.

Es gibt seltsame Menschen.
Seltsame, weil ein Jeder weiß, daß Grundstücks Ein- und Ausfahrten
zu unregelmäßigen Zeiten von bevierräderten anderen Menschen
benutzt werden, um rein- oder raus zu fahren.
Das kümmert die Seltsamen nicht. Sie stellen ihr verchromtes ‘heilix
Blechle’ genau vor das Hoftor und schreiten zum Abendmahlessen.
Während die sich den Bauch voll schlagen, trippelt der Termingebundene
ungehalten hin und her, telefoniert die Umgebung ab einschließlich
Polizei, um den Fahrzeughalter zu ermitteln.
Scheiße klappt nicht.
Stinksauer prüft der Termingebundene während der tolerierten Wartezeit den
Säurestand in seiner Batterie mit einem schmalen Pinsel.
Dann versucht er, es ist noch ein wenig Zeit, durch Abpinseln der Türgriffe am
behindernden Fahrzeug die Fingerabdrücke des Fahrers zu sichern.

Das hat er im Fernsehen so gesehen.

Auch das klappt natürlich nicht.
Also zur Wahrung des Termins mit dem Taxi an den Zielort.
Irgendwann gegen Ende der terminierten Besprechung müssen die Gesättigten
in ihr Auto gestiegen sein.
Sie haben ihre, vom Türgriff befeuchteten, Hände am Jackett, Hose oder Kleid
trocken gewischt und zufrieden gerülpst.
So wie der Verfall der Sitten, erfolgte mit Verzögerung der Verfall des zur
Fingertrocknung verwendeten Gewebes.

Ha!

Das ist Verboten! Merkt’s Euch, liebe Leser. Das ist sogar strafbar!
Also dieses Handeln kann ich nur verabscheuen und davon ganz energisch
und nachhaltig abraten.

Grinsen ist allerdings erlaubt, wenn man so etwas mitkriegt.

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